Matten und Powerdrachen
Die Entwicklung der Mattendrachen
sind aus der letzten grossen Erfindung der Drachengeschichte
hervorgegangen, der Parafoil von Domina C. Jalbert, der das Prinzip der vom Wind
aufgeblasenen Tragflaeche erstmals nutzte, woraus sich in weiterer Folge Fallschirme und
Paragleiter entwickelten.
Mitte der 70 -er Jahre erfanden zwei Studenten fuer Industrial Design im Rahmen
einer Seminararbeit die Flexifoil, einen genialen Drachen, der in seiner Vorderkante einen
konisch- elastischen Stab hat, exorbitant hohe Geschwindigkeit und Zugkraft erreicht.
Einige Jahre spaeter kam die Paraflex von Wolfgang Schimmelpfennig auf den Markt, der
erste voellig stablose Lenkdrachen, gefolgt von der Quadrifoil des Ted
Daugherty mit Vierleinensteuerung .
Mittlerweile sind die Matten eine eigene Kategorie und werden in ihren
grossen
Ausfuehrungen weniger zum Zweck des Flugvergnuegens sondern als Lastesel verwendet.
Powerdrachen
Bereits seit einigen Jahren hat sich "Power
Kiting" als MTV- und X- Sports kompatible Sportart etabliert. Ging es zuerst in erster
Linie darum, den groessten und staerksten auf der Wiese zu haben, begannen die
PowerkiterInnen schon bald, mit ihren Drachen durch die Gegend zu huepfen (Moonwalking),
mit Seifenkisten (Buggies) Wuesten zu durchqueren, mit Snowboards oder Ski auf der Ebene
herumzugurken, sich auf Inlineskates und Eislaufschuhen ziehen zu lassen. Neuerdings
erfreut sich Kitesurfing steigender Beliebtheit und scheint sich zu einer ernsten
Konkurrenz zum herkoemmlichen Surfen zu entwickeln.
Die Wahl des richtigen Drachens haengt ab von dem zu erwartenden Wind, dem
Einsatzgebiet und Ihrer Brieftasche ab.
Welcher Drachen zu welchen Zweck ?
Bei der Wahl des Powerdrachens muessen wir uns weniger fragen, was wir mit ihm tun koennen, sondern was er mit uns tun bzw. uns antun soll. Wollen wir also nur ein wenig mit der Kraft des Windes spielen oder uns mit Inlineskates, Kiteboard, Buggy oder Snowbord fortbewegen (Tractionkiting). Glauben wir, Spass daran zu haben, vom Drachen in die Hoehe gezogen zu werden und weite Luftspruenge zu machen oder wollen wir lieber mit beiden Beinen auf der Erde bleiben ? Weiters wichtig fuer die Wahl ist das eigene Koerpergewicht und die vorherrschenden Windverhaeltnisse (an der Nordsee sind wir mit einer 5m2 Matte voraussichtlich zumeist ueberfordert, wogegen bei uns mit einem 2m2 Drachen schon ein besonders windiger Tag sein muss, damit ordentlich die Post abgeht).
So wir nicht vorhaben, hinter unserem Drachen durch die Pampa zu duesen, werde wir mit einem Zweileiner (Symphonie), wohl unser Auslangen finden. Diese haben wir von schoen klein, so dass sie auch von Kindern beherrscht werden koennen bis zu ca. 1,8 m2, womit wir bereits Furchen in den Sand ziehen oder uns einen gruenen Hosenboden holen koennen. Dass wir mit zwei Leinen weniger gordische Knoten als mit vieren knuepfen koennen, ist definitiv als Vorteil anzusehen.
Zum Zweck des Tractionkiting sind die Vierleiner den Zweileinern klar vorzuziehen. Wegen ihrer Wendigkeit koennen sie an sehr kurzen Leinen (20m) geflogen werden, wodurch der Platzbedarf ein geringer ist. Die Drachen lassen sich aus fast jeder Position wieder starten und wir koennen Druck und Geschwindigkeit ueber die Bremsleinen regulieren; legen wir die Kitekiller an, duerfen wir unseren Drachen im Fall von Ueberforderung einfach loslassen, ohne dessen verlustig zu gehen . Sorgen, dass das fliegen mit vier Leinen schwieriger sei als mit zweien, brauchen wir uns nicht zu machen, das ist schnell erlernt. Der unser Meinung nach einzige Nachteil ist die Gefahr des Knuepfens gordischerer Knoten.... siehe oben.
Nun gibt es bei den Drachen natuerlich verschiedene "Leistungsklassen ", was sich in der Performance und im Preis niederschlaegt:
Beginner Kites (Beamer, Magma, Sting, Rush 300 Pro, Scout): Diese Drachen bauen ihren Zug relativ "gemaechlich" auf, das bedeutet, wenn wir sie vom Windrand in die Powerzone fliegen, reisst es uns nicht sofort aus den Schuhen, und ihr "Lift", der Zug nach oben, ist gering. Solche Drachen sind fuer alle Tractionanwendungen geeignet (wir werden halt nicht der/die schnellste auf der Wiese sein), nur zum Springen sind sie nur sehr maessig einzusetzen.
Intermediate Kites (Scout, Lava, Toxic): Diese sind deutlich schneller als die Beginner Kites und haben einen ordentlichen Zug nach oben, mit ihnen koennen wir also hoeher und weiter springen, als uns vielleicht lieb ist.
Advanced Kites (Blade, Toxic): Drachen mit extrem hoher Geschwindigkeit und Beschleunigung, deren Lift extrem hoch ist. Mit solchen Drachen ist schon des oefteren Vorgekommen, das sich seine PilotInnen ploetzlich wegen einer Windboee die Erde aus einigen Metern Hoehe betrachten durften. Solche "Ferraris" sind fuer jedweden Sinn und Unsinn geeignet, allein beim Buggyfahren ist der starke Lift mehr stoerend als hilfreich.
Nun ist es nicht so, dass wir unbedingt mit einem kleinen Beginner Kite anfangen muessen, da das fliegen von aggressiven Vierleinermatten nicht schwieriger ist. Allein die Folgen, so wir die herrschenden Windverhaeltnisse unterschaetzen, werden dramatischer sein. Wenn wir genau wissen, was wir wollen, koennen wir, so wir ueber gesunden Menschen- und Windverstand verfuegen, auch gleich den passenden Drachen erstehen. Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass, solange wir keinen Schaden dabei nehmen, eine Ueberforderung wegen eines zu grossen Drachen wesentlich spannender ist als eine Unterforderung wegen eines zu kleinen- da koennen wir wenigstens daheim von unseren Heldentaten berichten.
Quidquid agis, age prudenter et respice finem ! - wie die LateinerInnen zu sagen pflegen.
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Wo lasse ich meinen
Drachen steigen? |